Der Kreis hat sich geschlossen – nach 1.700 Seemeilen zurück im Heimathafen Ueckermünde

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Die vorletzte und letzte Etappe von Rönne über Swinemünde nach Ueckermünde hatten es noch einmal in sich.

Die erste Herausforderung war die Hafenausfahrt Rönne aus dem hintersten Eck morgens um 4 Uhr. Im stockdunklen Hafen mussten wir uns fast blind auf das Navi verlassen, um das Loch in der Hafenmauer nach draußen zu finden. Ich habe am Bug aufgepasst, dass wir nicht gegen die Hafenmauer fahren. Der Hafen hat uns letztendlich in die immer noch brodelnde Ostsee ausgespuckt.

Entsprechend sportlich war dann auch das Segeln. Immer den Kurs und die ringsum kreisenden Gewitterwolken im Blick legten wir in rasanter Fahrt Meile um Meile zurück. Eine der schwarzen Mistwolken hat uns dann aber doch erwischt und die Salida mit Windböen, teilweise um die 60 km/h, über die Wellen gepeitscht. Walter hatte an dieser Stelle seemännische Voraussicht walten lassen und das Segel bereits gerefft, bevor diese Hölle losging. Durch den Sturm waren die Wellen auch wieder höher (ca. 2m) und zweimal ging eine übers Boot in die Plicht und leider auf den Skipper nieder. Der trug es mit Fassung und steuerte die Salida eisern in Richtung polnisches Festland. Nach 78 gesegelten Seemeilen liefen wir müde, aber glücklich, um 18 Uhr in Swinemünde ein. In 14 Stunden von Rönne nach Swinemünde ist jetzt neuer Salida-Rekord.

Im Hafen erlebten wir eine kleine Überraschung. Als uns ein netter polnischer Segler beim Anlegen half wussten wir noch nicht, dass wir hier einen besonderen Menschen vor uns hatten. Heute früh tauchte dann ein Kamerateam am Steg auf und es stellte sich heraus, dass er mit seiner 5-m-Segelyacht „Elblag“ ab heute – nonstop und alleine – westwärts um die Welt segeln möchte. Respekt – wohl das härteste, was man sich vorstellen kann. Das bewog uns, auch mal ein bisschen auf die Kacke zu hauen und alle Gastflaggen unserer Reise zu hissen. Das dann zu sehen hat uns ziemlich stolz gemacht, zumal auch Spaziergänger stehen blieben und Fotos machten.

Die letzten 20 Seemeilen nach Ueckermünde waren äußerst ruppig mit Gegenwind, kurzer hässlicher Haff-Welle und gelegentlichen Regengüssen. Noch vor drei Monaten hätten wir diesem Wetter Respekt gezollt – heute hat es uns nur ein müdes Lächeln abgerungen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unserer treuen Leserschaft für ihr Interesse an der Reise und das Feedback. Sicherlich werden wir die vielen Erlebnisse und Eindrücke eine Weile sacken lassen müssen, bevor wir an dieser Stelle noch einmal ein Resümee ziehen.

Neugierig sind wir jetzt auf die kommende Eingewöhnung in das „normale“ Leben.